Stellungnahme zum NZZ-Artikel vom 9. Juli 2026. «Eine Mutter verliert ihre Tochter an strenggläubige Evangelikale – mithilfe der Kesb»

Der NZZ-Artikel berichtet über die Unterbringung eines Kindes vorwiegend aus der Perspektive eines Elternteils. Zu den konkreten Aussagen können wir aufgrund des Daten- und Persönlichkeitsschutzes keine Stellung nehmen. Diese Zurückhaltung bedeutet keine Bestätigung der im Artikel vorgenommenen Darstellung. Sie dient insbesondere dem Schutz des betroffenen Kindes, aber auch seiner Familie, der institutionellen Sozialpädagogischen Pflegefamilie und unserer Mitarbeitenden.

Kindesschutzfälle sind komplex und verlangen eine sorgfältige Abwägung unterschiedlicher Rechte und Bedürfnisse. Eine öffentliche Darstellung einzelner Aspekte kann diesem Gesamtzusammenhang nicht immer gerecht werden und die betroffenen Kinder zusätzlich belasten. Deshalb äussern wir uns öffentlich nur zu unseren Grundsätzen, Konzepten und Verfahren, nicht aber zu einzelnen Fallverläufen.

 

Stiftung Gott hilft

Die Stiftung Gott hilft ist eine über hundertjährige Trägerschaft mit Angeboten in den Bereichen Sozialpädagogik, Bildung und Alterspflege. Als christlich-diakonisches Sozialwerk verbinden wir fachliche Professionalität mit einer wertorientierten Haltung (siehe Leitlinien der pädagogischen Angebote). Missionierung ist mit unserer pädagogischen Haltung nicht vereinbar.  

Mit unserer Geschichte und unserem früheren Erziehungsverständnis haben wir uns im Rahmen einer externen historischen Aufarbeitung kritisch auseinandergesetzt (Christine Luchsinger, Niemandskinder. Erziehung in den Heimen der Stiftung Gott hilft 1916–2016). Diese Auseinandersetzung prägt unser heutiges professionelles Selbstverständnis.

 

Aufsicht und Schutz

Der Verbund der Sozialpädagogischen Pflegefamilien der Stiftung Gott hilft hat eine Bewilligung als Kinder- und Jugendheim. Unsere bewilligungspflichtigen Angebote erfüllen die jeweiligen kantonalen Vorgaben und unterstehen der Aufsicht der zuständigen Behörden. Regelmässige Aufsichtsbesuche und behördliche Überprüfungen sind Teil unserer Qualitätssicherung.

Unsere Arbeit orientiert sich an verbindlichen Schutzkonzepten, insbesondere am Bündner Standard. Ein Verhaltenskodex regelt den Umgang mit Integrität, Macht und Verantwortung, Rollenklarheit, Transparenz sowie Nähe und Distanz. Der Schutz der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen hat höchste Priorität.

 

Religion und Spiritualität

Unsere Betriebskonzepte legen transparent dar, wie wir mit Religion und Spiritualität umgehen. Massgebend sind die religiöse und weltanschauliche Freiheit des Kindes, die Rechte der Eltern, der Entwicklungsstand und Wille des Kindes sowie allfällige Vorgaben der zuständigen Behörden.

Der Umgang mit religiösen Aktivitäten wird im Aufnahmeprozess mit den Eltern, dem Kind und den zuweisenden Stellen besprochen und schriftlich festgehalten. Das Einverständnis der Eltern kann jederzeit widerrufen werden. Die Vereinbarungen werden in den regelmässigen Standortgesprächen überprüft und bei Bedarf angepasst.

Wir verstehen Spiritualität als mögliche Ressource, die Halt, Orientierung und Sinn vermitteln kann – nicht als Verpflichtung. Unsere Mitarbeitenden haben keinen Missionierungsauftrag. Im Zentrum stehen das Kindeswohl und der Schutz der körperlichen, seelischen, sozialen, religiösen und weltanschaulichen Integrität des Kindes.

Entstehen unterschiedliche Auffassungen zwischen Eltern, Kind und Institution, entscheidet die Institution nicht eigenständig. In solchen Situationen werden die zuweisenden und gegebenenfalls entscheidungsbefugten Behörden einbezogen.

 

Umgang mit Konflikten und Beschwerden

Bei Konflikten suchen wir zunächst das direkte Gespräch. Zusätzlich besteht ein definierter interner Beschwerdeweg. Betroffene können sich ausserdem an eine externe Ombudsstelle oder an das entsprechende kantonale Amt als zuständige Aufsichtsbehörde wenden.

Entscheidungen über elterliche Rechte, den Aufenthaltsort und Kontaktregelungen werden nicht von unseren Institutionen, sondern von den zuständigen Behörden getroffen.

 

Martin Bässler, Leitung Pädagogische Angebote

Daniel Wartenweiler, Gesamtleitung