Ukraine - Begleitete Hospitality

Unterstützung für Gastfamilien von Ukraine-Flüchtlingen

Bei der Unterbringung von Flüchtlingen in Gastfamilien gehen die Bedürfnisse der Gastfamilien oft vergessen. Sie erhalten kaum Unterstützung, werden mit viel leidvollen Erfahrungen konfrontiert, Erwartungen werden enttäuscht und sie erschöpfen sich. Es kommt vermehrt zum Abbruch von Unterbringungen, weil die Gastfamilien hohen Belastungen ausgesetzt sind und ausbrennen. Durch die Konfrontation mit grauenvollen Geschichten und Bildern kann es auch zu sekundären Traumatisierungen in den Familien kommen.

Als Stiftung haben wir viel Erfahrung in Familienbegleitung und -beratung, in Familienplatzierungen, in sozialpädagogischer Abklärung und Traumpädagogik. Durch die Unterstützung von Gastfamilien möchten wir gerne einen Beitrag leisten, das Wohl der Familien und damit der geflüchteten Menschen zu verbessern und der Erschöpfung und dem Abbruch von Platzierungen vorzubeugen.

Darum bieten wir kostenlose Unterstützung für Gastfamilien und HelferInnen an. Diese könnte folgendermassen aussehen:

Begleitung von Gastfamilien durch psychosoziale Beratung

Manchmal braucht es einfach eine Anlaufstelle für einen kürzeren oder längeren Austausch. Jemand der zuhört; eine Möglichkeit ein Spannungsfeld zu schildern und eine Einschätzung von aussen zu bekommen. Allenfalls braucht es bei einer Thematik auch mehrere Gespräche. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Digitale Stammtische oder physische Intervisionsgruppen für Gastfamilien

Bei Bedarf von mehreren Gastfamilien koordinieren wir einen strukturierten Austausch zu aktuellen Themen aus dem Alltag und / oder Fachthemen. Dieser Austausch kann physisch oder auch digital stattfinden.

Der Vorteil von einem digitalen Stammtisch ist der geringere Koordinations- und zeitliche Aufwand für einen Austausch.

Zur Verfügung stellen von fachlichen Kompetenzen durch Beratungen, Schulungen, Trauma Begleitung

Bei spezifischen Themen und Fragestellungen stehen verschiedene Fachpersonen mit unterschiedlichen Expertisen aus unseren vielfältigen Pädagogischen Angeboten zur Verfügung.

Fachliche Anleitung von Familien-Begleitpersonen z.B. in Kirchgemeinden

Vor Ort gibt es viele freiwillige Helfende von Kirchgemeinden, Frauenvereinen oder anderen Organisationen. Gerne können sie bei Bedarf nach fachlicher Begleitung oder Beratung Kontakt mit uns aufnehmen.

Anfragen für Unterstützung werden von unserer Sozialpädagogischen Fachstelle koordiniert und die Interventionen werden durch interne Mitarbeitende je nach Bedarf entwickelt und angeboten.

Gerne können sie sich per Telefon oder per Mail mit uns in Verbindung setzen.

Telefon: 081 307 38 38

Mail: info(at)fachstelle-sgh.ch

Zwischenhalt - Gemeinsame Biographiearbeit

Station 1: Kurzinput zum Thema

Input von Daniel Zindel, Theologe und Pfarrer in Fiders und Furna zum Thema: Zwischenhalt – gemeinsame Biographiearbeit. In seinem Kurzinput führt uns Daniel Zindel in die Thematik ein und nimmt uns mit konkreten Aufgabenstellungen durch die verschiedenen Stationen.

Station 2: Biographisches Thema finden

Station 3: Biographisches erinnern

Station 4: Biographisches erzählen

Station 5: Ausblick

Anmeldung zum Abschiedsfest von Daniel Zindel

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Predigt von Daniel Zindel am Jahresfest 2021

Von Höhepunkten, Tiefpunkten und der Treue Gottes

Daniel Zindel leitet die Stiftung Gott hilft als Gesamtleiter und Theologischer Leiter schon bereits seit 28 Jahren. Ende Januar 2022 wird er an Daniel Wartenweiler übergeben. Im Interview verrät er uns, wie sich die Stiftung in dieser Zeit verändert hat, was ihn persönlich geprägt hat und welche Aufgaben nach der Stiftungszeit auf ihn warten.

Retraite 2021

Stiftung aktuell

Beiträge der Stiftungsratspräsidentin und der Leitung zum aktuellen Geschehen in der Stiftung Gott hilft.

Zwischenhalt – persönliche Biographiearbeit

Input von Cathy mit Hinweise zur Verarbeitung an verschiedenen Posten.

Zwischenhalt – gemeinsame Biographiearbeit

Input von Daniel Zindel. Zur Verarbeitung gibt es eine Anzahl Fragen (Downloadlink unten), aufgrund derer man gut in ein Gruppengespräch kommen kann. Für eine Betriebsretraite wäre es ratsam, sich auf die Geschichte der eigenen Institution zu fokussieren.

Lebendig - Ausgabe März 2022

In unserer aktuellen Ausgabe «lebendig» beschäftigen wir uns mit dem Jahresthema «Zwischenhalt.»

Eine Chronologie des Empfangens aus Sicht von God helps Uganda

God helps Uganda

Kurz nach der Ankunft bei meinem ersten Besuch auf dem afrikanischen Kontinent stürzten sich Strassenkinder auf ein Stück Brot, das von meiner Mahlzeit übrigblieb und ein alter Mann wollte das fertig verspeiste Hühnerbein weiter abnagen. Ich kaufte allen eine Mahlzeit und vergesse die freudige Überraschung, die auf den Gesichtern der Beschenkten erstrahlte, wohl nie mehr. Die Situation wurde zu einer für mich persönlichen Erfahrung mit Ewigkeitscharakter. Eine plötzliche Erkenntnis, dass zwischen Geben und Empfangen ein Zusammenhang besteht, dass ich als vermeintlich Gebender vor allem auch zum Empfangenden werde.

von Matthias Liesch, Projektleiter GHU Schweiz

Geben und Empfangen

God helps Uganda wird durch viele Einzelpersonen und Werke getragen. Die Gebete benötigen keine administrativen Schnittstellen, sie werden durch Gott koordiniert und zur richtigen Zeit am richtigen Ort erhört und beantwortet. Bei den finanziellen Zuwendungen ist es so, dass das Büro in der Schweiz diese empfängt und in passenden Raten an die Verantwortlichen in Uganda schickt. Dort wird das empfangene Geld in Form von verschiedenen Hilfestellungen an die «Endkunden» – die Kinderheime, die Kinder, Jugendlichen des FEP und deren Bezugsfamilien – verteilt. Die Kinder empfangen scheinbar nur noch – sie sind nicht in der Lage, etwas Materielles zurückzugeben, denn sie haben ja fast nichts. Aber trotzdem werden sie zu Gebenden. Die Freude und der Dank, die in ihren Geschichten und Berichten lebendig werden, macht sie zu Gebern und Ermutigern. Solche Geschichten teilen wir regelmässig in den Rundbriefen von God helps Uganda. Und auch die biblische Verheissung aus Matthäus 10.42 ist eine Ermutigung.

Und wer einem dieser Kleinen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch: Er wird nicht um seinen Lohn kommen.

Corona-Vorsorge

Das Virus, welches das Jahr 2020 so stark prägen und Uganda mit voller Wucht treffen sollte und nach wie vor trifft, kannte man erst vom Hören aus dem fernen China. Und doch hatte Gott bereits vorgesorgt, denn das Jahr zählte erst wenige Tage, als God helps Uganda eine grosszügige Spende empfangen durfte, welche es ermöglichte, bereits früh und unkompliziert Nothilfe in Afrika zu leisten, als ein strenger Shutdown das Land und seine Bewohner und Bewohnerinnen unverhofft traf.

Empfang des neuen Field Director in Lira

Im April 2020 durfte God helps Uganda den neuen Field Director Godfrey Kalema feierlich in der GHU-Familie empfangen. Milton Ogwal, der GHU als FD knapp zwei Jahre geführt hatte, musste aus gesundheitlichen Gründen sein Amt früher als ursprünglich geplant in andere Hände übergeben. So blieb wenig Zeit, in der sich anbahnenden Covid-Krise Ersatz zu finden und einen möglichst reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Während einiger Monate war Godfrey interimistisch tätig. Die Kompetenz, mit welcher er GHU durch die Wirren der ersten Corona-Welle gesteuert hat und auch seine gute Kommunikation mit der Schweiz überzeugten das BoT (Board of Trustees) und seit Herbst 2020 ist Godfrey regulärer Field Director von God helps Uganda.

GHU als Empfänger von Gaben

Im vergangenen Jahr 2020 spürten wir eine grosse Solidarität und wurden insbesondere während der schwierigsten Phase der Corona-Krise grosszügig unterstützt. Wir wurden im Gebet getragen und durften finanzielle Hilfe durch Einzelpersonen, Gemeindewerke und Stiftungen empfangen. Dies ermöglichte uns, den Fokus kurzfristig auf Nothilfe zu legen und eine rasche und unkomplizierte Hilfe zu organisieren.

Dies war auch bitter nötig, denn in Uganda – und auch in vielen anderen weniger privilegierten Ländern dieser Erde – wurde ein sehr harter und rigoroser Lockdown durchgesetzt, wenn nötig auch mit Gewalt. Teilweise konnte diese Herangehensweise nachvollzogen werden, leben die Menschen doch sehr nahe zusammen, was das Virus in seiner Ausbreitung begünstigt.

Konkret bedeutete dies Ausgangs- und Kontaktsperren. Die Schulen wurden geschlossen und sind, abgesehen von Abschlussklassen, nach wie vor geschlossen (Stand: Februar 2021). Dies wiegt schwer in einem Land, in dem das Medianalter 16.7 Jahre beträgt, was bedeutet, dass 50 % der über 44 Mio Menschen jünger sind als 16.7 Jahre, viele davon schulpflichtig. Die Schule hat eine sehr wichtige Funktion inne. Neben Skills für die Zukunft erhalten die Kinder und Jugendlichen eine Tagesstruktur und nicht selten die einzige gesicherte tägliche Mahlzeit. Die Regierung konnte ihre Absicht bzw. ihr Versprechen, die nun eingesperrten Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, kaum erfüllen und die Folgen sind Hunger und Hoffnungslosigkeit.

Auch die Kinderheime von GHU in Lira mussten für einige Monate geschlossen werden. In der Zwischenzeit konnten die Heime den Betrieb jedoch wieder aufnehmen.

Die Kinder und Bezugsfamilien als Empfänger von Nothilfe

Die Kinder der GHU Heime und die Jugendlichen in den Ausbildungsstätten waren nun wie die Kinder des Familien-Ermutigungs-Programms (FEP) bei ihren Bezugspersonen in den Dörfern. Da herrschte und herrscht nach wie vor oft grosse Not: Es fehlt an allem. Für GHU bedeutete dies, keine Zeit zu verlieren und so wurde bereits im April eine erste Nothilfelieferung an die Bezugsfamilien der über 200 GHU Kinder und Jugendlichen organisiert und durchgeführt. Dank dem Spendenempfang durften die Familien Nothilfe erhalten und neue Hoffnung schöpfen. Auf diese erste Verteilaktion folgten mehrere weitere. Die «Aktion Weihnachtspäckli» wenige Tage vor Weihnachten 2020 war die bis anhin letzte und brachte als Überraschungsgeschenk viel Freude in die gebeutelten Familien.

Dankes-Empfang

Auch wir in der Schweiz durften empfangen – Berichte und Briefe von Kindern und Familien aus Uganda, die ihren Dank aussprachen für die Hilfe, die sie empfangen haben: Ausschnitte davon möchten wir teilen:

«2020 startete so gut, aber nach dem Ausbruch des Virus wurde es gefährlich. Zuerst war ich wegen der geschlossenen Schulen glücklich, aber bald realisierte ich, wie das Leben im Dorf wegen des Lockdowns sehr hart wurde. Ich freute mich jedes Mal, wenn die GHU Mitarbeitenden mich anriefen, mich ermutigten und mit mir beteten. Wir empfingen mehrmals Lebensmittel-Nothilfe, was ein grosser Segen für die ganze Familie war. Der grösste Segen war die Weihnachts-Nothilfe, denn ich fürchtete mich sehr vor Weihnachten mit Covid19. Jetzt bin ich zurück im Kinderheim Lira und wir erhalten täglich genügend Essen und andere notwendigen Sachen. Hier haben wir auch genügend Material zum Lernen, wir feiern Geburtstage, erhalten Geburtstagsgeschenke und spüren Gottes Liebe für uns. Wir empfangen Liebe, Führung und Beratung durch die GHU Mitarbeitenden, welche uns auch korrigieren und uns zeigen, wie wir unser Leben meistern können. Bei den Andachten am Montag und an den Abenden habe ich viel aus der Bibel gehört und gelernt zu beten. Wenn ich oder meine Freunde krank sind, wird sehr rasch für uns gesorgt.»

Akio Quinto, 14

Empfang via Zoom, Skype und Co.

Seit dem letzten physischen Besuch von Daniel Zindel im März 2020 in Uganda ist die Kommunikation nur noch auf elektronischem Weg möglich. Wir sind für unsere regelmässigen «Treffen» auf einen möglichst störungsfreien Empfang von elektromagnetischen Wellen angewiesen. Anfänglich war es schwierig, der meistgehörte Satz lautete: «Sorry, I didn’t understand you, can you repeat?» (Entschuldige, ich habe Sie nicht verstanden, können Sie es bitte nochmals sagen?) Die Kombination von schweizerischem und afrikanischem Englisch und dem Knacken und Rauschen bei Zoom, Skype, Jitsi meet oder Google meet machte eine Verständigung kompliziert. In den letzten Monaten hat sich die technische Empfangsqualität deutlich verbessert und Zoom hat sich als unser Kommunikationsmittel etabliert.

Vorempfang

Der letzte Empfang oder besser gesagt eine Art Vorempfang in Form einer Absichtserklärung, ist erst wenige Tage alt. Da möchte uns ein GHU Freund Laptops und Smartphones für Uganda zur Verfügung stellen, die trotz Gebrauchsspuren noch in gutem Zustand sind und das Potenzial haben, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitenden in Uganda positiv zu unterstützen! Welch ein unerwarteter Segen!

EIn kurzer Einblick in den Schulunterricht während Corona

Die Realität umarmen lernen

Gerne möchte ich das Thema «Loslassen – empfangen» am Beispiel eines jungen Elternpaares veranschaulichen, das gelernt hat, ihre Wunschvorstellung einer harmonischen und konfliktfreien Familie loszulassen. Indem die Eltern die Realität anzunehmen begannen, empfingen sie Gelassenheit.

von Cathy Zindel, Leitung Beratungsstelle Rhynerhus

Ein riesiges Geschenk

Nach vielen Abklärungen und langem Warten bekommen Ramon und Flurina ihr erstes Kind.
Die Dankbarkeit ist riesig. Sie können ihr Glück kaum fassen. Ihre ganze Kraft und Hingabe richten sie auf Linus. Keine Mühe ist ihnen zu viel: alle zwei Stunden stillen, stundenlang das Kind herumtragen, der Verzicht auf Schlaf – alles ist für sie kein Problem. Zu gross ist ihre Freude.

So haben sie sich das nicht vorgestellt

Allmählich aber stellt sich beim Paar eine gewisse Unzufriedenheit ein. Erstaunt stellen sie fest, dass sie sich das Leben mit einem Kind ganz anders vorgestellt haben. Letzthin brach Flurina vorzeitig mit dem weinerlichen Linus von der Geburtstagsparty ihrer Freundin nach Hause auf. Ihre ersten gemeinsamen Ferien als Familie am Gardasee waren ein Horror. Damit der Kleine nachts nicht das ganze Hotel weckte, spazierten Ramon und Flurina abwechslungsweise halbe Nächte mit ihm der Strandpromenade entlang. Überhaupt weint Linus abends oft, vor allem, wenn unter tags viel gelaufen ist. Frust und die Enttäuschung machen sich breit. Ach, wie haben sie von einer glücklichen und harmonischen Familie geträumt und jetzt ist es so ganz anders.

Eine Auseinandersetzung beginnt

Ein ehrlicher Prozess der Auseinandersetzung mit ihren Vorstellungen und der aktuellen Realität beginnt. Eines Tages merken sie, wir müssen uns entscheiden: »Entweder wir bleiben frustriert oder wir finden einen Weg, die Realität, so wie sie jetzt eben ist, anzunehmen.» Doch wie geht man diesen Weg?

Prozess in die Annahme der Realität

Wut wird ausgedrückt und Tränen fliessen. Das Klagen und Trauern braucht Zeit. Es geht nicht auf Knopfdruck. Die Seele kennt den Weg am besten und der ist individuell. Flurina sucht sich Hilfe von aussen. Ramon kommt beim Wandern ins Zwiegespräch mit Gott. Beide kommen dann zum Entschluss, ihre Vorstellungen von einem harmonischen, schmerzfreien Familienleben bei Gott loszulassen. Auch ihre Wut und Trauer überlassen sie ihm. Wieder gestaltet dies jeder auf seine Art, aktiv und eigenverantwortlich. Jeder empfängt auf seine Art. Der eine empfängt Trost und Liebe für sein Kind, der andere mehr die Gewissheit, es kommt gut und mein Kind darf so sein.

Jeden Tag neu ist die Chance da, das Empfangene einzuüben. Ramon und Flurina werden immer mal wieder hadern oder sich wünschen, ihr Familienleben wäre einfacher. Einmal wird der eine zu beissen haben, mal der andere. Sie können einander helfen, ihre momentane Realität immer wieder neu anzunehmen. Sie haben einen Gott, der sie dabei gerne unterstützt.

Lernen Sie unsere Beratungsstelle Rhynerhus kennen - Ein kurzer Einblick

Man erzieht nur mit dem Herzen gut

ein spirituelles Elternbuch

Genial, wenn Menschen und Organisationen den Mut haben, Erfahrungen auszuwerten, Erlebtes einzuordnen, eigenes Handeln kritisch zu beleuchten und Erkanntes verfügbar zu machen. Genau dies beabsichtigen Cathy und Daniel Zindel mit ihrem „spirituellen Elternbuch“. Sie haben selber vier Kinder und schreiben als Grosseltern. Sie halten Seminare und coachen seit 15 Jahren in der Beratungsstelle Rhynerhus der Stiftung Gott hilft Eltern und Familien. Auf diesem Boden wuchs die Überzeugung, dass man „nur mit dem Herzen gut erzieht“.

Rezension von Dr. Markus Müller

Cathy und Daniel Zindel wollen, so schreiben sie im Vorwort, «die Augen für die Schönheit» der je eigenen Familie öffnen! Eigenwillige Kinder, elterliche Fehler, eigene Grenzen in Ehe- und Gottesbeziehung können die Freude, Familie zu sein, nicht zerstören. Ein echtes Mutmach-Buch, gerade angesichts aller eigenen Verletzlichkeit und Begrenzung. Die Leitfrage in allem: Worauf kommt es wirklich an?

Spannend, wie das Buch aufgebaut ist. «Unser Familienhaus». Damit beginnt es. Familie ist, wo mindestens zwei Generationen zusammen leben. Familie ist ein «vielfältiger Beziehungsraum» mit Plätzen, die gefüllt sein wollen. Kinder haben ihren Platz, die Ehebeziehung hat ihren Platz, Gott hat seinen Platz. Schade, wenn diese Plätze nicht ausgefüllt oder falsch besetzt sind. Was, wenn der Haussegen schief hängt? Familie ist und bleibt Baustelle. Es wird gerungen, gestritten, beflügelt, blockiert, überrascht, getröstet und – hoffentlich – grenzenlos dazugelernt. Zahllose Beispiele von Vätern, Müttern und Kinder sowie pointierte Illustrationen von Michele Stricker verdeutlichen die geschriebenen Worte und nehmen Leser und Leserin mit auf eine inspirierende Entdeckungsreise.

Drei Ebenen unseres familiären Unterwegsseins werden unterschieden: Unser Handeln, unsere Haltung und unser Gehaltensein. Nur im Blick auf alle drei Ebenen kann es gelingen, in den täglichen Spannungen seinen Mann und seine Frau zu stehen. Fünf sehr konkrete Spannungsfelder werden beschrieben. Kaum ein Abschnitt, in dem erzieherisch Tätige sich nicht wiederfinden, da und dort eigene Schieflagen erkennen, immer mal wieder auch getröstet werden, denn: Scheinbar bin ich nicht der oder die Einzige, der oder die mit letzten Reserven kämpft und manchmal schlicht versagt. Solche täglichen Spannungsfelder sind Vertrauen und Sorgfalt, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit, Autorität und Gehorsam, Dankbarkeit und Leidensfähigkeit sowie Freiheit und Verantwortung. Wie gut, nach jedem Kapitel vertiefende Fragen und Übungsanregungen, aber auch ein mögliches Gebet zu finden.

Leben soll gelingen! Der Glaube, dass sich dies ereignen kann, ist auf jeder Seite spürbar. Irgendwie geheimnisvoll, aber grenzenlos ermutigend, diese «Göttlich-kreative Pädagogik des Herzens». Ich würde sagen: Nach-denkenswert. Diskussionswürdig. Aufschlussreich. Im wahrsten Sinne des Wortes bildend und frohmachend.